Gefängnisprojekt Buea

Basketball for Development Gefängnisprojekt zur sozialen Reintegration von Inhaftierten

Hintergrund

Im Buea Central Prison im Südwesten Kameruns sind etwa 550 Menschen inhaftiert, durchschnittlich 23 Jahre alt, 12 sind minderjährig, drei sind Frauen. Eine der Frauen ist mit ihrem 5 Monate altem Baby inhaftiert. Etwa 70% der Inhaftierten warten durschnittlich 2 Jahre auf ihre Gerichtsverhandlung; sie sind also noch nicht verurteilt. Andere wurden für Hexerei verurteilt: Paragraph 251 des kamerunischen Strafgesetzbuches sieht eine Gefängnisstrafe von 2 bis 10 Jahren und eine Geldstrafe von 5.000 bis 100.000 FCFA (200US$) für die Ausübung von Hexerei vor.
Die Zustände im Gefängnis sind in jeder Hinsicht kritisch:
Die Gefangenen bekommen meist nur eine karge Mahlzeit täglich. Proteine stehen nie auf dem Speiseplan. Es gibt nur zwei Wasserhähne für Trinkwasser, Körperhygiene, Kochen und Wäschewaschen für alle Gefangenen.
Viele Gefangene leiden unbehandelt an verschiedenen Hautkrankheiten, Atemwegserkrankungen, Magen-Darm-Beschwerden, Wurmbefall und Parasiten, Malaria, Cholera, Tuberkulose und verschiedenen anderen Krankheitsbildern und Beschwerden.
Nach der Entlassung aus dem Gefängnis haben es die ehemaligen Strafgefangenen bei der Jobsuche doppelt schwer: Zu den gängigen Vorurteilen kommt oft mangelnde berufliche Qualifikation hinzu. Häufig bleibt den ehamaligen Insassen nichts anderes übrig, als sich wieder in die Kriminalität zu flüchten.

Das Projekt

Um Häftlinge fit für den Arbeitsmarkt zu machen, hat Basketball for Development e.V. in Kooperation mit der Organisation Reach Out Cameroon, dem South West Regional Special Fund for Health und den Regional Delegations of Social Affairs and Youth Affairs ein Projekt entwickelt, bei dem es neben der Einrichtung von Werkstätten und der Ausbildung von Gefängnisinsassen auch um elementare Gesundheitsaufklärung geht, so vor allem um HIV/AIDS.

Kern des Projekts ist eine zentrale Werkstatt, in der zunächst Ausbildungen im Bereich Schneiderei, Tischlerei, Herstellung von Schmuck und Gebrauchsgegenständen und Druckerei (T-Shirts, Banner etc.) angeboten werden. Die Inhaftierten im Buea Central Prison können so entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten eine Ausbildung bekommen. Während der Ausbildung sollen nicht nur praktische Fertigkeiten erlernt,sondern auch soziale Kompetenzen zur Integration nach der Entlassung aus dem Gefängnis gefördert werden.

Der Gewinn aus dem Verkauf der in den Werkstätten hergestellten Produkte wird wie folgt verwendet:
40% werden in die Werkstätten reinvestiert. Es sollen hiervon Materialen gekauft werden, aber auch zusätzliche Arbeitsgeräte oder Renovierungen finanziert werden.
40% wird an die Häftlinge ausgezahlt, die in den Werkstätten arbeiten. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist sehr schlecht und die Häftlinge können sich von den Einnahmen Nahrungsmittel beschaffen.
20% werden in die Krankenstation des Gefängnisses investiert und kommen so auch den Gefangenen zugute, die nicht in den Werkstätten arbeiten können. Die Gesundheitsversorgung ist schlecht, es fehlt an den einfachsten diagnostischen Möglichkeiten und das Budget für den Einkauf von Medikamenten ist nicht ausreichend.

Durch die Reinvestition in die Werkstätten kann das Projekt nachhaltig durchgeführt werden.
Die Gefangenen werden vorwiegend von Mitgefangenen ausgebildet. So gibt es beispielsweise Maler, Tischler und Schneider unter den Insassen, die ihr Wissen an andere weitergeben können.

Zusätzlich zur Einrichtung der Werkstätten sollen die sanitären Einrichtungen ausgebaut und die hygienischen Verhältnisse verbessert werden. Vorgesehen ist der Bau mindestens einer Toilette sowie zusätzlicher Wasserhähne.

Die dritte Säule des Projekts ist ein Basketballplatz im Hof des Gefängnisses. Abgesehen von ein paar selbstgezimmerten Fußballtoren im Bereich der männlichen, erwachsenen Insassen und einer Tischtennisplatte im Bereich der Minderjährigen Gefangenen haben die Strafgefangenen zur Zeit so gut wie keine Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.
Es sollen regelmäßig Basketballturniere unter den Gefangenen ausgetragen werden, deren Preise, wie bei Basketball for Development üblich, Ausbildung und soziale Sicherung unterstützen sollen.

Zur Zeit evaluieren wir außerdem die Möglichkeit, den Gefangenen eine Mitgliedschaft in der lokalen, gemeindebasierten Krankenversicherung zu ermöglichen.

Einen Bericht (in englischer Sprache) über das Buea Central Prison finden Sie hier: http://news.bbc.co.uk/2/hi/6530583.stm

Hier finden sie einen Bericht einer deutschen Ärztin über ihren Freiwilligeneinsatz für die Organisation Humedica in kamerunischen Gefängnissen: http://www.humedica.org/projekte/katastrophenhilfe/kamerun/kamerun_medizinische_versorgung_fuer_gefangene/index_ger.html